HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Bento und die Laterne im Wald
Ein Weg bei Abendlicht
Bento wollte Oma Dachs einen Korb Brombeeren bringen. Tagsüber kannte er den Pfad gut. Doch als er losging, waren die Schatten zwischen den Bäumen lang geworden. Sein Vater gab ihm eine kleine Papierlaterne. „Du kannst auch morgen gehen“, sagte er. Bento schüttelte den Kopf. Er wollte es heute schaffen. Auf den ersten Metern summte er ein Lied. Dann bog der Weg ab, und plötzlich sah jede Kiefer gleich aus. Bento blieb stehen. Er hielt die Laterne höher, aber das Licht reichte nur bis zum nächsten Stein. Aus dem Gebüsch hörte er ein Knacken. Er dachte kurz daran, zurückzulaufen, wusste aber nicht mehr genau, wo der Abzweig war.
Ein Dachs hinter dem Busch
„Wer ist da?“, fragte Bento. Ein grauer Kopf erschien zwischen den Blättern. Es war Oma Dachs. Sie hatte seine Schritte gehört und war ihm entgegengekommen. Bento wollte sagen, dass er alles im Griff hatte. Stattdessen sagte er: „Ich habe den Weg verloren.“ Oma Dachs nickte. „Dann gehen wir das letzte Stück zusammen.“ Sie ging nicht vor ihm her wie eine Lehrerin. Sie blieb neben ihm und fragte, welche Zeichen er wiedererkannte. Bento sah einen umgefallenen Stamm, einen Stein mit Moos und schließlich die niedrige Weide. „Dort ist dein Haus“, sagte er. Oma Dachs lächelte. „Du hast es gefunden. Ich war nur dabei.“
Oma Dachs zeigte auf die Weide. „Wenn du sie von der Bachseite siehst, sieht sie anders aus als vom Hügel“, erklärte sie. Bento ging ein paar Schritte zur Seite. Tatsächlich erkannte er nun die gebogene Wurzel. Er prägte sich nicht nur den Baum ein, sondern auch, von wo aus er ihn gesehen hatte. Das machte die Karte in seinem Kopf genauer.
Ein Licht für zwei
Vor der Weide blieb Bento erneut stehen. Viele kleine Lichter schwebten über dem Gras. „Glühwürmchen“, sagte Oma Dachs. Bento stellte seine Laterne auf den Boden, damit er sie besser sehen konnte. Im weicheren Licht wirkte der Wald nicht mehr wie ein fremder Ort. Er sah den gewohnten Bach und hörte die Frösche. „Ich dachte, mutig heißt allein“, gestand er. Oma Dachs nahm den Brombeerkorb entgegen. „Manchmal heißt mutig, jemandem zu sagen, was man braucht.“ Bento überlegte. Das hatte er gerade getan, obwohl es schwer gewesen war. Die Glühwürmchen zogen weiter, und beide sahen ihnen eine Weile schweigend nach.
Der Rückweg
Bei Oma Dachs gab es warmen Tee und zwei Beerenkekse. Als Bento nach Hause wollte, war der Mond aufgegangen. Oma Dachs begleitete ihn bis zum großen Stein. Dort wartete sein Vater, der ihn abholen wollte. Bento erzählte nicht nur von den Glühwürmchen, sondern auch davon, dass er sich verlaufen hatte. Vater hörte zu und nahm den leeren Korb. „Morgen zeigst du mir die Weide“, sagte er. Bento nickte. Er wollte den Weg noch einmal bei Tageslicht gehen. Die Papierlaterne trug er weiterhin in der Pfote. Ihr Licht war klein, doch heute hatte es für zwei gereicht.
