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Edi und das Winterhäuschen
Ein roter Fleck im Schnee
Edi sah aus dem Küchenfenster einen kleinen roten Fleck auf dem Gartenzaun. Es war ein Rotkehlchen. Es hüpfte von einem Ast zum nächsten und suchte zwischen Schnee und Blättern. „Ist ihm kalt?“, fragte Edi. Papa wusste nicht, wie der Vogel sich gerade fühlte. Er erklärte, dass Vögel im Winter Schutz und Futterplätze suchen. Edi wollte sofort Brot nach draußen bringen. Papa schlug vor, zuerst nachzusehen, was für Vögel geeignet war. Gemeinsam lasen sie die Hinweise auf einer Packung Vogelfutter. Dann suchten sie einen Platz, den Edi gut sehen konnte und an dem der Vogel Ruhe hatte.
Ein Dach aus Holz
Im Schuppen fanden sie ein kleines Holzhaus ohne Boden. Papa befestigte es sicher an einem Pfosten, hoch genug über dem Schnee. Edi legte Futter in eine flache Schale darunter. „Darf ich ihn jetzt rufen?“, fragte er. Papa schüttelte den Kopf. „Wir geben ihm Zeit, den Platz selbst zu finden.“ Drinnen stellten sie zwei Stühle ans Fenster. Zuerst kam nur Wind. Dann fiel ein wenig Schnee vom Dach. Edi zeichnete einen Vogel auf ein Blatt Papier und malte seinen roten Bauch besonders groß. Das echte Rotkehlchen erschien noch nicht. Edi legte die Zeichnung neben das Fenster.
Edi fragte, ob auch das Rotkehlchen die Schale finden werde. Papa sagte, dass sie es nicht wissen konnten. Ein guter Futterplatz war ein Angebot, kein Versprechen. Edi schaute auf seine Zeichnung und fügte einen leeren Ast hinzu. Dort konnte ein Vogel sitzen, wenn er wollte. Dann räumte er die Stifte weg und ließ den Garten in Ruhe.
Besuch ohne Einladung
Am nächsten Morgen bemerkte Edi Spuren im Schnee. Eine Meise saß auf dem Pfosten und nahm ein Körnchen. Später kam eine zweite. Das Rotkehlchen blieb am Zaun und beobachtete alles. Edi wollte hinauslaufen, doch er erinnerte sich an Papas Worte. Sie blieben drinnen und sprachen leise. Schließlich hüpfte das Rotkehlchen zur Schale. Es nahm ein wenig Futter und flog auf den Apfelbaum. Edi hielt die Luft an, obwohl er das gar nicht musste. „Er hat unser Haus gefunden“, flüsterte er. Papa zeigte ihm, wie sie die Schale sauber hielten und altes Futter entfernten.
Ein Platz im Frühling
In den nächsten Tagen kamen verschiedene Vögel. Edi erkannte die Meise bald an ihren Farben und das Rotkehlchen an seinem roten Bauch. Manchmal blieb die Schale voll. Dann beobachtete Edi nur die Spuren. Als der Schnee schmolz, stand das kleine Haus noch am Pfosten. Papa und Edi räumten es auf und überlegten, welche Pflanzen im Garten Insekten und Vögeln helfen könnten. Edi malte auf die Rückseite seiner Zeichnung eine Blume. Er wusste nun: Helfen bedeutete nicht, einen Vogel festzuhalten. Es bedeutete, einen guten Platz anzubieten und ihm die Wahl zu lassen.
