HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Emil und der verschwundene Knopf
Ein roter Punkt
Emil trug seinen roten Mantel gern. Heute durfte er mit Oma Zug fahren, um seinen Cousin zu besuchen. Auf dem Bahnsteig wollte Emil die Taschen schließen. Da fehlte der oberste Knopf. „Den hat Mama gestern erst angenäht“, sagte er. Er sah auf den langen Weg hinter ihnen. Überall lagen rote Herbstblätter.
Oma schaute auf die Uhr. Der Zug würde erst in zwanzig Minuten kommen. „Wir können suchen“, sagte sie, „aber wir bleiben zusammen.“ Emil nickte. Er fühlte sich klein zwischen den vielen Reisenden. Der Knopf war rot wie die Blätter. Wie sollte er ihn in all dem Rot finden?
Die Spur rückwärts
Eine Mitarbeiterin des Bahnhofs hörte ihre Frage. Sie kniete sich neben Emil. „Wo hast du ihn zuletzt gesehen?“ Emil dachte nach. Vor dem Fahrkartenautomaten hatte er Oma seine geschlossene Jacke gezeigt. Am Kiosk hatte er die Hand in die Tasche gesteckt. Sie gingen den Weg langsam zurück und sahen unter die Bänke.
Am Kiosk fand Emil einen roten Papierkreis von einer Verpackung. Er hob ihn auf und musste lachen. „Fast.“ Oma entdeckte einen glänzenden roten Bonbon. Die Mitarbeiterin sagte: „Wenn wir genau hinschauen, finden wir vieles. Den Knopf vielleicht auch.“ Emil merkte, dass die Suche mit drei Augenpaaren weniger groß wirkte.
Die Mitarbeiterin zeigte Emil, wo gefundene Dinge am Bahnhof abgegeben werden konnten. „Falls wir ihn heute nicht finden, wissen wir wenigstens, wo wir fragen können“, sagte sie. Emil wiederholte sich den Ort, damit er ihn nicht vergaß. Das war kein Ersatz für den Knopf, aber es machte die Suche weniger endgültig. Es gab noch einen nächsten Schritt.
Etwas, das klingelt
Vor dem Fahrkartenautomaten saß ein kleiner Junge und weinte. Er hatte seine Mütze verloren. Emil wollte erst weiter, dann erinnerte er sich an sein Gefühl von vorhin. „Wir suchen gerade auch etwas“, sagte er. Gemeinsam schauten sie hinter dem Automaten nach. Dort lag die blaue Mütze. Als Emil sie hervorzog, hörte er ein leises Klingeln am Boden.
Ein runder roter Knopf rollte aus dem Saum der Mütze. Vielleicht war er beim Vorbeigehen dort hängen geblieben. Emil hielt ihn hoch. Der Junge nahm die Mütze, Emil den Knopf. „Beide wieder da“, sagte die Mitarbeiterin. Die Glocke am Bahnsteig kündigte ihren Zug an.
Ein Faden für später
Oma steckte den Knopf sicher in ihre kleine Geldbörse. „Nähen kann ich ihn im Zug nicht gut“, sagte sie. „Zu Hause klappt es besser.“ Emil drückte den Mantel trotzdem zusammen. Es war nur ein Knopf, doch er war froh, ihn gefunden zu haben. Der Junge mit der Mütze winkte ihnen vom Bahnsteig zu.
Im Zug erzählte Emil seinem Cousin später von drei roten Dingen: einem Papierkreis, einem Bonbon und dem richtigen Knopf. „Und von der Mütze“, ergänzte Oma. Emil nickte. Ohne den Jungen hätten sie vielleicht nicht an dieser Stelle gesucht. Er sah aus dem Fenster. Der Herbst flog in roten Blättern vorbei, und diesmal musste er nichts darin finden.
