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Otti und die Karte ohne Norden
Eine wichtige Karte
Otti, die junge Eule, wollte den neuen Aussichtspunkt über dem See finden. Sie hatte sich den Weg von Onkel Uhu beschreiben lassen und alle Kurven auf ein Stück Birkenrinde gemalt. „Das schaffe ich allein“, sagte sie zum Eichhörnchen Piko. Der Mond stand hoch, als sie losflogen und liefen. Nach drei Bäumen zeigte die Karte links. Otti flog links. Dort war ein dichter Brombeerbusch. Piko blieb stehen. „Vielleicht hast du die Karte andersherum gehalten.“ Otti drehte sie. Nun zeigte die nächste Kurve in den Bach. Sie bemerkte: Sie hatte keinen Pfeil für Norden gezeichnet. Der Wald sah plötzlich sehr groß aus.
Zeichen, die man hören kann
Otti wollte die Karte wegwerfen. Piko hielt sie am Rand fest. „Vielleicht fehlt nur ein Teil.“ Gemeinsam suchten sie etwas, das auch ohne Norden zu finden war. Piko hörte Wasser. Otti hörte den Wind in den hohen Kiefern. Auf der Rinde stand tatsächlich eine Kieferngruppe, gleich nach einem Bach. Sie gingen dem Wassergeräusch nach und fanden drei flache Steine. Otti setzte einen neuen Punkt auf die Karte. Hinter den Kiefern roch es nach wildem Thymian. Das war nicht eingezeichnet, aber Piko merkte es sich. „Eine Karte kann wachsen“, sagte er. Otti machte daneben ein kleines Blattzeichen.
Piko wollte zuerst einfach der Nase nachlaufen. Otti bat ihn, kurz zu warten. Sie wollte wissen, ob der Duft wirklich vom Thymian kam oder von den Blüten am anderen Ufer. Gemeinsam gingen sie ein paar Schritte zurück und verglichen. Dann erst malte Otti das Blatt auf die Rinde. Auf ihrer Karte sollten Zeichen stehen, denen sie später vertrauen konnten.
Der falsche Aussichtspunkt
Endlich öffnete sich der Wald. Vor ihnen lag ein Hügel. Otti flog hinauf und rief: „Da ist der See!“ Doch oben sah sie nur Wiesen und einen fernen Schornstein. Piko war außer Atem. „Wir können zurückgehen“, sagte er. Otti betrachtete die Wolken. Sie wollte den richtigen Hügel finden, aber nicht blind weiterlaufen. Also ruhten sie sich aus und teilten eine Nuss. Dann erkannten sie auf der anderen Seite den großen Stein, den Onkel Uhu erwähnt hatte. Von dort führte ein schmaler Pfad zum See. Otti zeichnete auch den falschen Hügel ein, damit niemand ihn später verwechselte.
Ein neuer Pfeil
Am See spiegelte sich der Mond. Otti und Piko saßen nebeneinander und sahen zu, wie ein Fisch kleine Kreise zog. Otti setzte einen Nordpfeil auf die Rinde, diesmal nach dem Stern, den Onkel Uhu ihr gezeigt hatte. Daneben malte sie den Thymian, die Bachsteine und den falschen Hügel. „Jetzt ist sie besser“, sagte Piko. „Weil wir uns einmal verlaufen haben?“, fragte Otti. „Weil wir hingeschaut haben.“ Auf dem Rückweg führte Otti mit der Karte, und Piko achtete auf die Geräusche. Keiner musste den ganzen Weg allein wissen. Gemeinsam fanden sie rasch nach Hause.
