HEUTE IN DER GESCHICHTENWELT
Pepe und das Brot, das Zeit brauchte
Mehl auf der Nase
Pepe besuchte die Hasenfamilie, weil es heute frisches Brot geben sollte. In der Küche stand eine Schüssel mit Mehl. Oma Hase gab ihm eine Schürze und ließ ihn Wasser zum Teig gießen. Pepe rührte so eifrig, dass etwas Mehl auf seiner Nase landete. Alle lachten. Als der Teig glatt war, wollte Pepe ihn sofort in den Ofen schieben. „Er muss erst ruhen“, sagte Oma Hase. Sie deckte die Schüssel mit einem Tuch ab. Pepe sah darunter. Der Teig sah genau wie vorher aus. „Wie lange?“, fragte er. „Bis er größer wird.“ Pepe fand das eine sehr ungenaue Uhr.
Eine Uhr aus Spielen
Während der Teig ruhte, bauten Pepe und die Hasenkinder einen kleinen Laden aus leeren Körben. Ein Korb war die Bäckerei, einer der Markt. Pepe verkaufte unsichtbare Rosinen. Dann erzählte Oma Hase, wie sie als Kind mit ihrer Schwester immer den ersten warmen Brotduft erraten wollte. Pepe roch in der Küche noch nichts. Er hob vorsichtig das Tuch an. Der Teig war ein wenig runder geworden. „Er arbeitet, obwohl wir spielen“, stellte er fest. Oma Hase nickte. Pepe deckte ihn wieder zu. Er wollte dem Teig nicht dauernd ins Gesicht schauen, wenn er Ruhe brauchte.
Pepe fragte, ob er die Schüssel hochheben dürfe. Oma Hase half ihm, sie gerade zu halten. Unter dem Tuch sah man winzige Blasen im Teig. „Die waren vorhin nicht da“, sagte Pepe. Er roch daran und fand den Duft etwas säuerlich. Nicht alles, was wichtig war, konnte er sehen; manches konnte er riechen oder fühlen. Die Wartezeit war voller kleiner Zeichen.
Der warme Ofen
Als der Teig groß genug war, formten sie zwei Laibe. Pepe drückte eine kleine Bärenpfote oben hinein. Der Ofen war heiß; deshalb schob nur Oma Hase das Blech hinein. Bald duftete die Küche nach Brot. Pepe setzte sich vor die Ofentür und wollte nicht weggehen. Das Brot wurde braun, aber Oma Hase sagte: „Noch ein wenig.“ Pepe fragte, woran sie es erkennen könne. Sie zeigte ihm die Farbe und klopfte später vorsichtig auf die Unterseite. Es klang hohl. Pepe lauschte. Er hatte noch nie gehört, dass Brot so ein Geräusch machen konnte.
Die erste Scheibe
Auch nach dem Backen musste das Brot kurz abkühlen. Pepe seufzte, diesmal lachend. Er holte Teller für alle und stellte Wasser auf den Tisch. Oma Hase schnitt die erste Scheibe, als sie warm, aber nicht mehr zu heiß war. Pepe strich ein wenig Butter darauf. Er schmeckte den weichen Teig, die knusprige Kruste und all die Zeit dazwischen. „Das Warten hat es lecker gemacht“, sagte er. Oma Hase schüttelte lächelnd den Kopf. „Der Teig, die Wärme und unsere Arbeit haben geholfen. Das Warten gehörte dazu.“ Pepe hob seine Scheibe. Im Brot war die kleine Bärenpfote noch zu sehen.
