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Talas leises Lied
Die große Bühne
Im Dorf sollte am Abend ein Musikfest beginnen. Tala hatte aus Holzstücken und bunten Schnüren ein Klangspiel gebaut. Zu Hause klang es weich und hell. Auf dem Platz standen jedoch schon große Trommeln, eine Geige und ein Chor. Tala hielt ihr kleines Instrument unter dem Arm fest. „Man wird mich gar nicht hören“, sagte sie zu ihrem Freund Jo.
Jo schlug vor, lauter zu spielen. Tala probierte es. Die Holzstücke klapperten hart gegeneinander. „So mag ich es nicht“, sagte sie. Sie setzte sich hinter die Bühne. Dort roch es nach Tannennadeln und frischem Brot. Eine Amsel pickte im Gras, ohne sich für die Lautstärke auf dem Platz zu interessieren.
Ein anderer Zuhörer
Tala spielte der Amsel drei leise Töne vor. Der Vogel hüpfte näher. Jo setzte sich neben sie und hörte zu. Er sagte nicht, dass Tala mutiger sein müsse. Er fragte: „Kannst du mir noch einmal die Stelle mit dem langen Ton zeigen?“ Tala spielte sie. Diesmal hörte sie auch den Wind zwischen den Holzstücken.
Eine ältere Frau kam vorbei und blieb stehen. „Ist das dein Lied?“, fragte sie. Tala nickte. Die Frau lächelte. „Hier kann ich jedes einzelne Holzstück hören.“ Sie zeigte auf einen kleinen Platz am Rand des Festes. Dort standen zwei Bänke unter einem Baum. „Vielleicht ist das ein guter Ort für dein Lied.“
Auf den Bänken lag schon ein wenig Laub. Jo fegte es mit der Hand zur Seite und setzte sich ganz vorn hin. Tala merkte, dass er nicht nur nett sein wollte: Er wollte die leisen Töne wirklich hören. Sie stimmte ihr Klangspiel noch einmal und ließ jeden Holzstab einzeln klingen, bevor sie begann. Das half ihr, im eigenen Tempo anzufangen.
Unter der Lichterkette
Tala und Jo trugen das Klangspiel zu den Bänken. Tala spielte erst, als die Trommeln eine Pause machten. Drei Kinder setzten sich hin. Dann kam die Frau wieder. Tala begann mit dem langen Ton. Ein Kind schloss die Augen, ein anderes wippte mit dem Fuß. Niemand musste still sein; sie hörten einfach zu.
Als Tala eine Stelle vergaß, blieb sie kurz stehen. Ihr Herz klopfte. Jo sah sie an und summte den Anfang. Tala fand den Ton wieder. Sie spielte zu Ende. Die Zuhörer klatschten nicht laut, sondern mit den Fingerspitzen auf die Bank. Das gefiel Tala. Ihr Lied hatte einen Platz gefunden, der zu ihm passte.
Noch ein Ton
Später fragte ein Junge, ob er das Klangspiel ausprobieren dürfe. Tala zeigte ihm, wie locker er die Holzstücke halten musste. Er spielte viel schneller als sie. Beide lachten. Tala merkte, dass ein Instrument viele Klänge haben konnte, ohne dass einer davon falsch sein musste. Ihr eigener Klang blieb weich, wenn sie ihn wollte.
Auf dem Heimweg trug Jo die Tasche, und Tala summte ihr Lied. „War ich zu leise?“, fragte sie. Jo schüttelte den Kopf. „Ich habe dich gehört.“ Das reichte Tala für diesen Abend. Morgen wollte sie vielleicht einen neuen Ton erfinden. Vielleicht wurde daraus ein Lied für den ganzen Wald.
