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Timo und die Samen für nebenan
Kisten hinter dem Zaun
Neben Timos Garten stand seit gestern ein Umzugswagen. Heute stapelten sich Kartons auf der Terrasse. Timo sah zwei Kinder zwischen den Kisten. Er wollte „Hallo“ rufen, wusste aber nicht, ob sie Deutsch sprachen oder gerade überhaupt Zeit hatten. Opa fragte, ob Timo ihm beim Sortieren der Samen helfen könne. Auf dem Tisch lagen Sonnenblumen, Radieschen und Ringelblumen. „Wir haben zu viele“, sagte Opa. Timo betrachtete die kleinen Tüten. „Vielleicht können wir den neuen Nachbarn welche geben.“ Opa fand die Idee gut. Sie schrieben die Pflanzennamen auf kleine Bilderkarten, damit jeder erkennen konnte, was darin war.
Ein Hallo am Zaun
Am Nachmittag stand eines der Kinder allein am Zaun. Timo nahm drei Tütchen und ging hinüber. Sein „Hallo“ war sehr leise. Das Kind lächelte und sagte ebenfalls „Hallo“. Es hieß Elif. Timo zeigte die Bilder. Elif erkannte die Sonnenblume sofort. Ihr kleiner Bruder kam dazu und zeigte auf die Radieschen. Er kannte sie aus dem Garten seiner Tante. Die drei Kinder beschlossen, einen Topf auf Elifs Terrasse zu bepflanzen. Timo wollte sofort Erde holen, doch Elif musste erst ihre Mutter fragen, wo der Topf stehen durfte. Timo wartete. Ein Garten konnte auch mit einer Frage beginnen.
Elif erzählte, dass sie in ihrer alten Wohnung nur einen Balkon gehabt hatten. Dort war einmal eine Bohne bis zum Geländer geklettert. Timo fragte, ob sie die Bohne vermisse. „Ein bisschen“, sagte Elif. Sie zeigte auf die neuen Samen. Vielleicht konnte hier etwas anderes wachsen. Timo versprach nicht, dass es genauso würde. Er half ihr nur, den ersten Topf vorzubereiten.
Drei Reihen in einem Topf
Am nächsten Tag stellten sie den Topf in die Sonne. Opa half beim Füllen, dann ließ er die Kinder machen. Timo drückte mit einem Finger kleine Löcher in die Erde. Elif legte Radieschensamen hinein. Ihr Bruder zählte mit und vergaß sich zweimal. Sie lachten und begannen die Reihe neu. Die Sonnenblumen bekamen einen eigenen hohen Topf, weil sie später mehr Platz brauchen würden. Elif erzählte von einem Baum im Garten ihrer Tante, unter dem sie früher gesessen hatte. Timo zeigte ihr seinen Lieblingsplatz unter dem Apfelbaum. Beide Gärten waren verschieden. Die Samen würden an beiden Orten wachsen können.
Ein grüner Anfang
Eine Woche später stand Timo wieder am Zaun. „Da ist etwas!“, rief Elif. Winzige grüne Bögen kamen aus der Erde. Timo wollte sie berühren, hielt die Hand aber zurück. Elifs Bruder holte eine kleine Gießkanne. Sie gossen vorsichtig am Rand des Topfes. Opa versprach nicht, dass jede Pflanze groß würde. Wetter und Pflege würden mitentscheiden. Timo sah die neuen Blätter an und dann die Kartons, die inzwischen verschwunden waren. Elif fragte, ob er morgen zum Spielen kommen wolle. „Ja“, sagte Timo. Das war das erste Wort, das er an diesem Zaun ganz ohne Zögern sagte.
